Custom-Filament in Bambu Studio: Einrichtung und Kalibrierung für Einsteiger
Du hast eine Spule gekauft, die nicht von Bambu ist, und jetzt will der Slicer wissen, welches „Filament“ das ist. Dieser Guide geht den ganzen Weg in klarer Sprache: wann ein Standard-Preset reicht, wie du ein Custom-Filament im Filament Manager anlegst, welche Zahlen du von der Spulenverpackung übernimmst und wie du die beiden Kalibrierungen — Flow Rate und Flow Dynamics — in der Reihenfolge fährst, die wirklich funktioniert. Nichts hier setzt Kalibriererfahrung voraus.
Zuerst: Brauchst du überhaupt ein Custom-Filament?
Drei Situationen, drei Antworten:
- Bambu-Filament (etwa Bambu ASA): Du bist fertig, bevor du anfängst. Wähl das passende Preset — Flow Ratio und Pressure-Advance-Werte sind ab Werk für deine Maschine kalibriert. Setz auf Lidar-Modellen einfach den Haken bei Flow Dynamics Calibration im Druckdialog und druck los.
- Fremdfilament mit mitgeliefertem Preset: Bambu Studio bringt getunte Presets für mehrere Partnermarken mit (Polymaker, eSUN und andere — such deine Marke im Filament-Dropdown). Passt eins exakt zu deinem Produkt, nimm es und verifizier höchstens mit einem Kalibrierdurchgang.
- Alles andere: Leg ein Custom-Filament auf Basis des richtigen Generic-Presets an und kalibrier danach. Das ist der Rest dieses Guides und dauert etwa 30 Minuten inklusive Testdrucke.
Schritt 1 — Das Filament-Preset anlegen

Auf dem richtigen Preset des Materials aufbauen. Leg ein neues Custom-Filament an und wähl ein Preset desselben Materials als Basis — Generic ASA (oder Bambu ASA) für eine ASA-Spule, Generic PETG für PETG und so weiter. Das Basis-Preset zählt mehr, als Einsteiger erwarten: Es trägt die Lüftergrenzen des Materials, die Kammertemperatur, das volumetrische Tempolimit und die Sicherheitsbereiche. Eine ASA-Spule auf einem PLA-Preset aufzubauen gibt dir PLA-Kühlung auf einem Material, das bei Zugluft reißt.
Bambu Studio: Prepare-Tab → Project Filaments → Einstellungs-Symbol (Zahnrad) → Custom-Filaments-Tab → Create New. OrcaSlicer: Filament-Dropdown → Bearbeiten (Stift) → Save as new
Deine Marke fehlt in der Vendor-Liste? Dafür gibt es eine Checkbox. Das Vendor-Dropdown zeigt nur bekannte Marken — aber setz den Haken bei „Can’t find vendor I want“ direkt darunter, und das Feld wird zum Freitext, in den du deinen eigenen Markennamen tippst. Vendor + Typ + „Serial“ (die Variante, z. B. Basic, Matte, Silk) ergeben den Anzeigenamen des Filaments — 3DE + ASA + Premium erscheint also als 3DE ASA Premium. Beachte: Vendor und Typ sind nach dem Anlegen gesperrt — bei einem Fehler legst du ein neues an und löschst den Fehlversuch; nachträgliches Umbenennen gibt es in Bambu Studio nicht.

Benenn es so, dass Zukunfts-Du es versteht. Nutze Marke + Material + Variante, z. B. Polymaker ASA Black. Kalibrierwerte unterscheiden sich zwischen Marken und zwischen stark pigmentierten Farben — ein Custom-Filament pro Marke/Material (und pro Problemfarbe, falls nötig) ist die praktikable Aufteilung. Bearbeite das Generic-Preset nie direkt — bewahr es als die saubere Vorlage, die es ist.
Schritt 2 — Die Zahlen von der Spulenverpackung übernehmen
Öffne die Einstellungen deines neuen Filaments und trag ein, was der Hersteller auf die Verpackung oder Produktseite gedruckt hat:
- Düsentemperatur: Die Verpackung nennt einen Bereich (etwa 240–280 °C). Starte in der Mitte. Willst du später den echten Sweet Spot, fahr einen Temp-Tower.
- Betttemperatur: Typisch sind 55–65 °C für PLA, 70–80 °C für PETG, 90–100 °C für ABS/ASA und 100–110 °C für PC.
- Kammertemperatur (geschlossene Materialien): Der Preset-Wert ist der Sinn des Presets — ASA will rund 65 °C, ABS rund 60 °C. Lass ihn stehen; der Drucker heizt automatisch vor und wartet, du steuerst das nie von Hand.
- Trocknungs-Hinweis: Kalibrieren auf einer feuchten Spule ist verschenkte Arbeit — Feuchtigkeit verändert das Fließverhalten stärker als jeder Regler. Stand die Spule wochenlang offen, trockne sie zuerst (Zeiten und Temperaturen hier).
Zwischenschritt — die physische Spule im Filament Manager registrieren
Bambu Studio führt zwei getrennte Listen, die Einsteiger ständig verwechseln. Das gerade angelegte Preset enthält die Druckeinstellungen. Der Filament Manager (eigener Tab in der Topbar) ist das Spulen-Inventar: welche physischen Rollen du besitzt, ihre Farben und das Restgewicht. Um deine neue Spule dort zu registrieren, klick + Add Filament (oben rechts) — deine Custom-Marke steht jetzt im Brand-Dropdown neben den eingebauten. Hier wohnt auch die Farbe der Spule: das graue #BBBBBB-Feld eines frischen Eintrags ist nur der Standard — setz die echte Farbe hier (oder lass sie „Read from AMS“ aus RFID/Slot ziehen). Die Farbe liegt nie im Preset.
Bambu Studio: Filament-Manager-Tab → + Add Filament → Manual Add (oder Read from AMS) → Brand → deine Custom-Marke
Am Drucker und im AMS auswählbar machen. Custom-Filamente erreichen den Drucker nur, wenn Presets über dein Bambu-Konto synchronisieren: Der Drucker muss im Cloud-Modus verbunden sein (nicht nur LAN), und Auto-Sync User Presets muss in den Einstellungen von Bambu Studio aktiviert sein. Etwa eine Minute später erscheint das neue Filament als Auswahl für den AMS-Slot am Drucker. Taucht es auf und springt zurück auf „?“, fehlt genau diese Synchronisation — aktivier die Einstellung erneut und verbinde den Drucker einmal neu mit deinem Konto.
Bambu Studio: Preferences → Auto-Sync User Presets. Danach: Device-Tab / Drucker-Display → AMS-Slot → dein Custom-Filament wählenSchritt 3 — Flow-Rate-Kalibrierung (immer zuerst)
Die Flow Ratio skaliert jede Extrusionsbewegung darauf, wie dieses konkrete Filament wirklich fließt. Sie ist das Fundament, auf dem die andere Kalibrierung aufbaut — deshalb läuft sie zuerst.
Pass 1 fahren, die beste Kachel wählen, dann Pass 2. Der Test druckt einen Satz kleiner Kacheln, jede mit leicht anderem Flow. Betrachte sie in schrägem Licht und wähl die mit der glattesten Oberseite — keine Lücken zwischen den Bahnen (Unterextrusion), keine Grate oder Wülste (Überextrusion). Pass 2 wiederholt das Spiel in feineren Stufen um deinen Pass-1-Gewinner.
Bambu Studio / OrcaSlicer: Calibration-Tab → Flow Rate → Pass 1, dann Pass 2Das Ergebnis in DEIN Custom-Filament speichern. Wenn du die Gewinnerkachel bestätigst, schreibt der Slicer die neue Flow Ratio in das aktuell gewählte Filament-Preset. Das ist die klassische Einsteigerfalle: Mit Generic ausgewählt kalibrieren, und der Wert landet im falschen Preset (oder nirgends). Wähl dein Custom-Filament, bevor du die Kalibrierung startest, und prüf danach, dass sich das Flow-Ratio-Feld wirklich geändert hat.
Filament-Einstellungen → das Flow-Ratio-Feld — nach dem Speichern verifizierenQuiz: Das sind drei echte Kacheln von einer Pass-1-Platte. Welche hat den richtigen Flow?
Schritt 4 — Flow Dynamics / K-Wert (immer danach)
Flow Dynamics (Bambus Name für Pressure Advance) kompensiert den Schmelzdruck, wenn der Druckkopf beschleunigt und abbremst. Zu niedrig, und Ecken wölben sich; zu hoch, und Ecken hungern aus. Der K-Wert hängt vom gerade kalibrierten Flow ab — fahr ihn nach der Flow Rate, nie davor.
Lidar-Maschinen: den Drucker das pro Druck erledigen lassen. Auf Lidar-Modellen von Bambu (X1- und X2-Familie) setzt du den Haken bei Flow Dynamics Calibration im Druckdialog, und die Maschine kalibriert K vor jedem Job am Plattenrand — zwei Minuten extra, immer aktuell. Das ist die Einstellen-und-vergessen-Option.
Druckdialog (Send print job) → Checkbox Flow Dynamics CalibrationOhne Lidar: den manuellen Linientest einmal fahren. Der Test druckt Linienreihen mit verschiedenen K-Werten; wähl die Linie mit der gleichmäßigsten Breite von Ende zu Ende (keine dicken Kleckse an den Enden, keine dünne Mitte) und speichere. Der Wert wird pro Filament- und Düsen-Kombination abgelegt.
Bambu Studio / OrcaSlicer: Calibration-Tab → Flow Dynamics → manuell. Am Gerät: das Kalibriermenü des DruckersSchritt 5 — Etwas Echtes drucken und beurteilen
Druck ein kleines funktionales Teil — kein Benchy am ersten Tag. Prüf drei Dinge: Oberseiten sollen geschlossen und glatt sein (Flow), Ecken scharf ohne Wülste (K-Wert), und die erste Schicht gleichmäßig (das ist Maschinen-Leveling, nicht Filament). Sieht eine Fläche weiter falsch aus, liest unsere kostenlose Diagnose deine Beschreibung und Einstellungen gegen die offizielle Baseline deines Druckers und sagt dir, welchen einen Wert du ändern sollst.
Wann kalibrierst du neu?
- Neue Marke oder neues Material: immer.
- Gleiches Produkt, neue Farbe: meist verzichtbar — aber stark pigmentierte oder Spezialvarianten (Silk, Matt, CF-gefüllt) können unterschiedlich genug fließen, um einen eigenen Durchgang zu verdienen.
- Neue Düsengröße oder neues Düsenmaterial: ja für Flow Dynamics (K gilt pro Düse); die Flow Ratio überlebt meistens.
- Gleiche Spule, alles gleich: nein. Kalibrieren ist kein Ritual — sind die Drucke gut, lass es in Ruhe.
Die fünf häufigsten Einsteigerfehler
- Mit dem falschen Preset kalibrieren — das Ergebnis wird im gerade aktiven Filament gespeichert. Wähl zuerst dein Custom-Filament.
- Flow Dynamics vor Flow Rate fahren — K hängt vom Flow ab; andersherum kalibrierst du auf Sand.
- Eine feuchte Spule kalibrieren — erst trocknen, sonst sind die Zahlen in dem Moment veraltet, in dem es das Filament ist.
- Fremde K-Werte aus einem Forum übernehmen — sie gelten für Filament, Düse und Maschine. Zwei Minuten Lidar-Kalibrierung schlagen jede Forenzahl.
- Generic-Presets direkt bearbeiten — du verlierst die saubere Baseline, und jede künftige Spule erbt die Zahlen deiner alten.
Häufige Fragen
Meine Filament-Marke fehlt in Bambu Studios Vendor-Liste — kann ich sie hinzufügen?
Ja. Im Create-Filament-Dialog setzt du den Haken bei „Can’t find vendor I want“ direkt unter dem Vendor-Dropdown, und das Feld wird zum Freitext, in den du deinen eigenen Markennamen tippst. Vendor und Typ sind nach dem Anlegen gesperrt — nachträgliches Umbenennen gibt es in Bambu Studio nicht.
Kalibriere ich jede Farbe oder nur jede Marke und jedes Material?
Eine Kalibrierung pro Marke + Material deckt alle normalen Farben ab — ein Durchgang für das ASA eines Herstellers gilt also für alle seine Standard-ASA-Spulen. Nur Spezialvarianten (Silk, Matt, Glow, CF/GF-gefüllt) und extrem pigmentierte Farben verdienen einen eigenen Durchgang — und nur, wenn ein Druck wirklich ein Flow-Problem zeigt.
Was kommt zuerst: Flow Rate oder Flow Dynamics?
Immer zuerst Flow Rate, dann Flow Dynamics. Der K-Wert, den Flow Dynamics kalibriert, hängt vom gerade gesetzten Flow ab — andersherum kalibrierst du Pressure Advance auf einem falschen Flow. Auf Lidar-Modellen von Bambu kannst du Flow Dynamics automatisch pro Druck laufen lassen.
Warum taucht mein Custom-Filament nicht am Drucker oder im AMS auf?
Custom-Filamente erreichen den Drucker nur, wenn Presets über dein Bambu-Konto synchronisieren: Der Drucker muss im Cloud-Modus sein (nicht nur LAN), und „Auto-Sync User Presets“ muss in den Einstellungen von Bambu Studio aktiviert sein. Danach erscheint das Filament innerhalb von etwa einer Minute als AMS-Auswahl.
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- Bambu Lab Wiki — offizielles Dokumentations-Hub (Filament Manager, Flow-Rate- und Flow-Dynamics-Kalibrierung)
- OrcaSlicer Wiki — Kalibrierdokumentation (Flow Ratio, Pressure Advance)
- Bambu Lab Community Forum — Custom-Filamente im AMS auswählbar machen (Cloud-Preset-Sync)